Diese Geschichte schrieb corinna-saal.com @Corinna_Saal Liebesgeschichte

Always running

Ohne auf meine Umgebung zu achten, lief ich die Straße entlang. Der kalte Nebel brannte beim Einatmen in meiner Lunge, die tiefe Schwärze der Nacht passte zu meiner Stimmung. In meinen Ohren schallte “Find me” von Sigma. Ich musste einfach nur weg von dieser Straßenstelle. Die Stelle direkt vor meiner Haustür – plötzlich formten sich Worte in meinem Kopf:

Die Stelle, wo wir uns nicht küssten

Nur einen Schritt weiter:

Die Stelle, wo ich dir sagte, ich will dich nie wiedersehen

So wurde ich zu deinem Geist

Wie konnte es eigentlich sein, dass man sich von einem einzigen Menschen immer wieder weh tun ließ? Noch dazu 16 Jahre später? Ich meine, es waren 16 Jahre vergangen, seit er mir mit 17 damals das Herz herausgerissen hatte und darauf herumgetrampelt war. Und jetzt, mit Anfang 30 war ich keinen Deut klüger!

Vergangenes wiederholt sich

Der ewig gleiche Kreislauf

Jahre später der gleiche Schmerz

Doch es macht nichts, denn ich bin dein Geist

Immer wieder verlor ich mich bei dem Versuch, einen Mann in mein Leben zu lassen. Fuck it! Fuck him!!! Ich wischte die Träne, die langsam meine Wange herunter kollerte unwirsch weg und stellte die Musik noch lauter. Ich wollte wegrennen – vor mir, meinem Leben und diesem Schmerz. Dieser Schmerz, der immer wieder Einzug in mein Leben fand, es auf den Kopf stellte und mehr von mir verlangte, als ich geben konnte. Warum nur war ich dazu verdammt, ihn immer wieder zu durchleben? Warum tat ich mir das selber immer wieder an?

Bin dein „Was wäre, wenn“

Deine verpasste Chance, ein ums andere Mal versäumt

Bei jedem Streit, jedem Schmerz, jedem Schritt die Frage:

„Was wäre, wenn?“

Bin dein Geist, immer bei dir – so lebst du mit mir ohne mich

Nur, weil es mich ihm wieder näherbrachte, ich den Schmerz von meinem 16-jährigen „Ich“ wieder spürte? Ich schüttelte heftig den Kopf, um den Gedanken aus meinem Kopf zu verdrängen. Jetzt begann ich wirklich zu rennen. Im Licht der düsteren Straßenbeleuchtung lief ich immer schneller, bis das Stechen in meiner Brust von dem Seitenstechen und meinem keuchenden Atem übertönt wurde. Vor mir stieg mein Atem weiß und dampfend in die Schwärze der Nacht. Doch ich rannte immer noch weiter, obwohl ich schwere Stiefel trug. Rannte und rannte, mir war jetzt alles egal. Ich wollte nur noch, dass dieser Schmerz aufhörte oder wenigstens nachließ. Doch das tat er nicht. Also lief ich schneller und schneller. Schließlich ertappte ich mich dabei, wie ich in meinen Schmerz in die Stille der schwarzen Nacht herausschrie. Hörte das denn nie auf? Ich hatte immer gedacht, zumindest als Erwachsene würde es nicht mehr so weh tun!

Mitten auf der leeren Straßenkreuzung blieb ich stehen, stützte die Hände auf die Knie und versuchte meinen Atem zu beruhigen. Doch! Etwas war anders! Ich wusste, dass ich es auch ohne ihn konnte! Das hatte ich mit 16 nicht gewusst. Damals war ich sicher gewesen, an dem Schmerz in mir zu vergehen. Doch ich lebte ein großartiges Leben, – hatte in Wien studiert, in Paris gearbeitet und in Ländern auf der ganzen Welt die tollsten Freund:innen. Das Alles hatte ich erreicht! Ich ganz alleine, nicht er! Ich holte tief Luft und blickte auf.

Immer wieder fliehst du vor mir

Doch rennst nicht vor mir weg

Sondern vor dir

Denkst, du verdienst kein Glück

Mein Geist ist bei jedem Schritt auf dieser Flucht an deiner Seite

Darum trage auch ich dich als Schmerz in mir

Plötzlich blendendes Licht. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Als ein schwerer Gegenstand gegen mich prallte und mich vom Boden hob. Ich flog einige Meter durch die Luft und krachte mit einem heftigen Schmerz gegen etwas Großes und Stabiles, das alle Luft aus mir herauspresste. Ich sackte zu Boden, unfähig, mich zu bewegen. Unfähig zu atmen. Unfähig, den Schrei auszustoßen, der meinen Körper beherrschte. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und meine Augenlider wurden schwer. Alles, was mir noch vor wenigen Momenten durch den Kopf gegangen war, war weg. Ich wollte nur noch eines: leben!