Diese Geschichte schrieb handed.com @H_a_nded Fiction

Croissant

Croissant ‚Was für ein schöner Tag‘, dachte Emilia. ‚Ich darf mit Mami einkaufen gehen.‘ Das machte ihr so viel Freude innerlich, dass sie die ganze Zeit grinsen musste. Ein klasse Sommertag war es. Hmm, nein, schön? Das Wetter hatte sich ein wenig eingetrübt. ‚Der Himmel sieht aus wie eine große, graue Maus.‘ Emilia kicherte bei der Vorstellung. So große Mäuse gibt es doch gar nicht.

„Hey, Krümelchen.“ Ihre Mutter stupste sie zärtlich an. „Was amüsiert dich so?“ Sie schaute mit einem breiten Lächeln auf ihre Tochter. ‚Ach Gott‘, dachte sie, ‚könnte Emilia nicht immer so bleiben?‘

„Der graue Himmel … ich dachte, was, wenn das eine groooooße Maus wäre, die den gaaaaanzen Himmel verdeckt.“

„Eine Maus? Hmmm. Was die wohl frisst? Einen Käse vielleicht.“ Sie lachte vergnügt.

„Aber Mami, das geht doch gar nicht. Der Käse wäre doch viel zu groß und schwer. Der macht doch dann die Erde kaputt. Und? Ist sie kaputt?“ Emilia breitete die Arme aus und schaute verschmitzt zu ihrer Mutter hoch, die kurz überlegte und dann mit einem lauten Lachen ihrer Tochter die Haare verwuschelte. Auf ihrem Einkaufsbummel gingen sie an der alten Kirche vorbei auf den Marktplatz. Ein schöner Platz mit einem kunterbunten Springbrunnen, Kopfsteinpflaster und vielen alten Häusern, die sich rundherum drängten und die verschiedensten Geschäfte beherbergten. Emilia rannte mit einem Freudenschrei auf den Brunnen zu. Noch bevor ihre Mutter etwas rufen konnte, war Emilia auch schon bis zu den Knien im Brunnenwasser.

„Komm her, Mami, es ganz toll erfrischend.“ Langsam folgte sie ihrer Tochter, schüttelte den Kopf und dachte, ‚von wem hat sie nur diese Energie? Immer Flausen im Kopf.‘ Sie setzte sich auf den Rand, zog die Schuhe aus und tauchte nun auch die Füße ins kalte Nass. Lachend wirbelte Emilias Mutter mit einem Fuß das Wasser auf, so dass es in einem silbernen Schauer auf Emilia regnete. Ihre Tochter lachte wild auf und schöpfte schnell mit beiden Händen Wasser empor, um ihre Mutter zu treffen. Vergnügt gaben sich beide eine Weile dem Spiel hin, ohne auf die erstaunt blickenden Menschen um sie herum zu achten.

„Mami, Mami, guck mal“, rief Emilia plötzlich und deutete auf einen bestimmten Punkt.

„Wo denn?“ Sie versuchte, das zu entdecken, was ihre Tochter so sehr in Aufregung versetzte. Und da … ja, da flog etwas. Es war groß und elegant. Mal im Zick-Zack und dann wieder still in der Luft. Eine Libelle.

„Oh, ich sehe sie. Ist sie nicht wunderschön?“ Und das war sie. Das Insekt schillerte grün und blau im Tageslicht.

„Sie ist so groß“, hauchte Emilia. „Meine Freundin sagte mir, die nähen einem den Mund zu und man muss dann verhungern.“ Unbewusst bedeckte sie dabei ihren Mund mit beiden Händen. Emilia wurde sanft in den Arm genommen und geknuddelt. Das mochte sie sehr gern.

„Nein, das ist Unsinn.“ Dabei blieb ihre Mutter sehr ernsthaft, damit Emilia sich nicht ausgelacht fühlte. „Libellen sind Jäger, sie futtern andere Insekten, Fliegen und so. Aber nähen können sie nicht. Wenn sie es könnten, würden diese filigranen Geschöpfe bestimmt bei Herrn Paul in der Schneiderei arbeiten und wunderschöne Kleider für Deine Puppen nähen.“

„Das ist ein schöner Gedanke. Wollen wir schnell zur Schneiderei und fragen, ob er noch Gehilfen braucht?“ Dann lachte Emilia. „Ich veralbere dich nur, Mami.“ Beide grinsten sich an.

„Hast du Lust auf einen Kakao im Café La Petite Rue?“

„Mit Sahne? – Was heißt denn das eigentlich … Kaffee Lapet Teerü?“

„Das ist Französisch und bedeutet … Café in der kleinen Straße.“

„Die sind komisch, die Franzosen. Warum sagen sie das denn nicht gleich so, dass man das auch versteht.“ Im kleinen Café angekommen schauten sie sich um. Alles war so freundlich und einladend eingerichtet, so dass man sich gleich wohl fühlte.

„Guten Morgen“, begrüßte sie die nette Bedienung. „Darf ich Ihnen etwas bringen?“

„Gern einen Kaffee und einen Kakao mit Sahne. Danke.“

„Etwas Gebäck dazu?“ Sie deutete auf den verglasten Teil des Tresens. Emilia jauchzte laut auf, als sie in Kuchenvitrine blickte.

„Da sind Hörnchen! Und guck mal Mami, das da!“ Auf einem Tablett lagen Croissants mit den Spitzen nach unten. Es sah aus wie Wellengang auf einem See. Eines war herunter gekullert und lag mit den Spitzen nach oben.

Es lächelt“, lachte Emilia. „Das will ich, es heißt Jean-Luc.“

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