Diese Geschichte schrieb kopfhandwerke.de @piet_pastellkreide_zeichnen Krimikomödie

Der Mörder ist immer der Gärtner

Ich gebe zu, dass ich mir meinen Nebenjob anders vorgestellt habe.

Die Gärtnerei Sonnenblume wirbt auf Plakaten mit grandiosen Arbeitsbedingungen, zauberhaften Kundinnen, überragender Bezahlung und einer besonderen Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten.

Der perfekte Job für einen Jurastudenten wie mich, so dachte ich jedenfalls.

Doch um die Kundinnen kümmert sich mein Chef Otto, die Bezahlung ist mehr als mau und ich muss täglich eklige Kartoffelkäfer von den Pflanzen zupfen. Nur die Sache mit der besonderen Fürsorgepflicht stimmt irgendwie, denn unsere Chefin Hilde rückt mir vorsichtig ausgedrückt zu nah auf die Pelle.

Warum ich mir das gefallen lasse? Um ehrlich zu sein, ist mir letztens etwas Dummes passiert. Der Monat war sehr lang und meine Geldbörse leer. Als ich mir darum für ein paar Tage einige Scheine aus der Kasse leihen wollte, stand plötzlich Hilde neben mir. Sie will kein Drama daraus machen oder mir die Zukunft versauen, sagte sie. Doch der seltsame Glanz in ihren Augen und die Hand an meinem Gemächt ließen mich Böses erahnen. Seitdem mache ich mehrmals die Woche besondere Überstunden. Ich gebe zu, sie ist eine Granate, aber langsam reichts mir. Ich habe kaum noch Zeit zum Lernen und erhebliche Schwierigkeiten, mich ausreichend um meine Freundin zu kümmern.

Darum steht mein Plan fest. Ich muss sie schnellstmöglich loswerden.

Eigentlich wollten wir uns heute um Mitternacht im Gewächshaus an der mit GROW besprühten Graffitiwand treffen, doch vorhin hat mich eine knappe WhatsApp von ihr erreicht:

Zeitänderung! 22.00Uhr!

Ich bin viel zu spät dran und mache mich mit einer Rotweinflasche unter dem Arm auf in Richtung Gartencenter. Ich hoffe, dass die schlammige Farbe des Weins nicht auffällt, denn Omas darin aufgelösten Herztabletten werden heute unsere nächtlichen Treffen beenden.

Zügig erreiche ich die Gärtnerei und erstarre. Das Gelände wimmelt von Polizei- und Krankenwagen. Unser Dorfpolizist Sven, der die Einfahrt mit einem Flatterband absperrt, erkennt mich sofort: „Moin Ekki, hier ist was los! Deine Chefin wurde von ihrem Mann niedergeschlagen.“ „Bitte was???“ „Jaahaa, eigentlich wollte er ihrem Techtelmechtel eins überbraten, hat aber im Dunklen seine Olle erwischt, die schon mal das Liebeslager herrichten wollte. Otto hatte den Typen extra eher bestellt, aber der ist wohl nicht aufgetaucht. Soll übrigens ein Student sein, der bei euch jobbt.“ Als Sven die Weinflasche in meiner Hand entdeckt, geht ihm ein Licht auf. „Du?? Mensch Ekki, da haste aber Schwein gehabt. Otto hat eben zugegeben, dass er bereits mehrere Liebhaber beseitigt hat. Du musst rein zu meinen Kollegen und das klären.“ Ich habe keine Wahl und schmeiße noch schnell meine Weinflasche in die Restmülltonne, bevor ich das Gewächshaus betrete.

Drinnen bekomme ich gerade noch mit, wie Otto sich schluchzend bei einer Kommissarin rechtfertigt: „Warum ich den Kerl umbringen wollte? Na, weil ich Hilde liebe! So ein Weib gibt es kein zweites Mal. Rassig, wild und eine Rakete im …!“ Die letzten Worte werden vom lauten Verlegenheitshüsteln der anwesenden Polizisten verschluckt. „Dann verstehe ich Sie richtig, dass Sie über Jahre die Liebhaber Ihrer Frau umgebracht haben? Wo haben Sie die Leichen denn versteckt?“, ermittelt die Kommissarin unbeirrt weiter. Otto zeigt mit einem Kopfnicken zu den Tomatenpflanzen. „Guter Dünger oder was meinen Sie, warum wir die beste Ernte im ganzen Umkreis haben?!“

Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass ein junger Polizeianwärter die reife Tomate fallen lässt, die er zuvor mit hungrigen Augen gepflückt hatte.

Unterdessen wird Hilde mit einem riesigen Verband um den Kopf von Sanitätern Richtung Ausgang begleitet. Als sie mich im Vorbeigehen erblickt, greift sie rasch meinen Arm und flüstert: „Ekki, wenn der Otto in den Knast muss, dann kümmerst du dich um mich und die Gärtnerei, oder? Ich kann mich doch auf dich verlassen!?“ Langsam begreife ich die Bedeutung der Worte und nicke. Hilde lächelt zufrieden und gibt den Sanitätern ein Zeichen, dass es weitergehen kann. Gedankenversunken schau ich ihnen nach …

Mittlerweile sind zwei Jahre ins Land gegangen und es geht mir hervorragend! Mein Studium habe ich geschmissen, das war mir ohnehin viel zu anstrengend. Hilde hat mich zu sensationellen Konditionen als Geschäftsführer eingestellt. Und seitdem ich dafür sorge, dass immer genügend männliche Angestellte im Haus sind, habe ich auch wieder Zeit für meine Freundin.

Übrigens haben wir uns mittlerweile bei den Gemüsepflanzen auf Gurken spezialisiert.

Tomaten liefen irgendwie nicht mehr so gut.

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