Diese Geschichte schrieb @Sophia_Roppe Fantasy, Krimi

Juwelenkomplott

“Wer hat die Diamanten?” Die Elster pickte mit dem Schnabel in die leere Goldfassung der zerbrochenen Brosche. “Wo sind sie?” Erneut stach sie zu, die Schnabelspitze rutschte ab und verschwand im prallen Dekolletee der toten Frau, die auf dem Waldboden lag.

Der Waschbär verdrehte die Augen. Sein Blick wanderte an der nahen Felswand hoch. “Warum liegen die Toten immer hier?”

Das Eichhörnchen beugte sich vom Ast herunter. “Die Eule war oben. Der Weg sei an dieser Stelle rutschig.”

“Rutschig?”, fragte der Waschbär.

“Da wimmelte es von Schnecken.”

“Ob es ein Unfall war?” Der Hamster reckte sich, damit er mehr sehen konnte.

“Die Schminke ist verschmiert, sie hat geweint. Sie ist selber gesprungen”, sagte das Eichhörnchen.

“Oder sie wurde geschubst.” Die Schnecke war auf ihrem Weg um die Leiche herum. Das tat sie jedes Mal, wenn hier wieder jemand lag. Als wolle sie der Polizei mit ihrer Schleimspur die Kreidemarkierung ersparen. Und wie immer saß der Marienkäfer auf ihrem Häuschen und schlief.

Die Elster hüpfte von der Toten herunter und plusterte vor dem Hamster ihr Gefieder auf. “Du!”, krächzte sie. Er riss die Augen auf, legte seine Pfoten auf die dicken Backen und presste hervor: “Ich habe die doofen Brillis nicht.”

“Spuck aus!”

Der Hamster würgte zerkaute Nüsse auf den Boden.

Die Elster wandte sich ab, “Ist ja widerlich!”

Mit einem Satz war sie wieder auf der Leiche, pickte auf den Resten der Brosche herum und schimpfte: “Schon beim letzten Mal sind Ohrringe verschwunden. Und nun die Diamanten. Wo sind sie?”

Der Hamster schaufelte das Ausgespuckte wieder in sich hinein. “Der Aufprall! Schie schind rauschgefallen.”

“Es waren sicher nur Glassteine.” Die Schnecke war nicht gut zu verstehen, weil sie hinter der mächtigen Hüfte der Leiche angekommen war.

“Ich bin Elster, ich kenne mich aus. Diese Art Fassung nimmt man nur für Diamanten.”

Sie hüpfte in Richtung Waschbär und kreischte: “Du hast sie!!! Du klaust den Toten auch Bonbons. Zeig mir deine Hände!”

Der Waschbär hielt ihr die leeren Pfoten hin.

Die Elster hob ab und stürzte sich im Flug auf das Eichhörnchen, welches vom Ast fiel und vor Schreck erstarrt am Boden liegen blieb. “Gib sie her!” Der Schnabel kreiste über den Augen des Hörnchens. Es hielt dem Vogel die leeren Pfoten hin.

“Hast du nicht so einen Fellsack für Babys. Sonst ist hier niemand, du musst sie haben!”

Das Eichhörnchen zeigte auf die Schnecke, die ihren Rundgang beendet hatte und langsam auf einen Felsen zu glitt. “Sie war als erste hier.”

“Haha, der Witz ist gut! So ein Schleimhaufen mit Haus hat doch nur eine Gehirnzelle! Du willst ablenken.”

Die Schnecke verharrte einen Moment. Die Fühler mit den Knopfaugen schwenkten in Richtung Elster: “Sagt die, die ein Eichhörnchen nicht von einem Känguru unterscheiden kann”, murmelte sie, setzte ihren Weg fort und glitt an dem Felsen hoch.

Dann passierte es. Die Schnecke verlor den Halt und fiel herunter. Der Marienkäfer konnte sich gerade noch in die Höhe retten. Als sie auf dem Boden landete, klirrte es unüberhörbar in ihrem Schneckenhaus.

Alle Blicke richteten sich auf die Schnecke.

Die Elster krächzte: “Du?”

Doch bevor der Vogel sich auf sie stürzen konnte, hatte die Schnecke sich aufgerappelt und in eine Felsspalte geschoben. Sie flüsterte dem Marienkäfer zu: “Sag oben Bescheid, die Schatztruhe ist noch nicht voll. Sie sollen den Weg wieder schleimen.” Dann machte sie sich auf den Weg in den Berg und kicherte, als sie hörte, wie die Elster ihren Schnabel in den Felsen schlug.

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