Diese Geschichte schrieb @maro.oxz Krimi

Die Zelle

„Ich ruf dich an.“

Das waren die letzten Worte; es piepte und klackerte und das Gespräch war beendet.

Das Kleingeld war alle und weit und breit keiner, den man um 2 Groschen hätte fragen können.

Verdammte Pampa. Dass überhaupt eine Telefonzelle dort an der Landstraße stand, war schon bemerkenswert.

Tascha stand ratlos am Straßenrand und grübelte. Das Gespräch war nicht so gelaufen, wie sie es sich gewünscht hatte.

Das spielte jetzt aber keine Rolle, sie waren Geschäftspartner und sie hatte hier einen Auftrag zu erledigen.

Einen letzten.

Der Außendienst war ihr am liebsten, ihr Partner organisierte die Geschäfte vorzugsweise vom Büro aus. Tascha hat keine Angst sich schmutzig zu machen, so fühlte sie sich am lebendigsten.

Sie schulterte die Sporttasche und stapfte los. Der Hof konnte nicht mehr weit sein.

Die Umgebung war wider Erwarten ganz idyllisch, die Äcker an der Straße recht naturbelassen, es wucherte alles Mögliche und duftete ziemlich intensiv unter der brennenden Sonne.

Tascha war überzeugte Städterin, ab und zu war so ein bisschen Landleben aber eine schöne Abwechslung. Bald konnte sie das richtig genießen.

Da hinten war der Bauernhof zu sehen.

Es war ungewöhnlich still, auf einem Hof war doch ständig was los und wenn nur die Hühner lautstark gackerten.

Tascha ließ den Blick schweifen. Ein großes Tor, das scheinbar selten geschlossen wurde, stand weit offen und ließ den Blick auf ein verwittertes, graues Haus frei. Links war offenbar die Scheune, aus der kein Laut drang und rechts ein kleines Haus, dessen Schornstein dampfte.

Sie ging in Richtung des kleinen Hauses, wo sie die Leute vermutete.

Ein Mann trat aus der Tür in die Sonne hinaus. Die Zigarette im Mundwinkel, klappte er sein Feuerzeug auf, als er Tascha entdeckte.

„Du bist zu spät“, nuschelte er in ihre Richtung, pfiff und winkte den Hund heran.

„Sorry, der idiotische Taxifahrer hat mich zu früh abgesetzt.“ Tascha versuchte lässig zu klingen, fingerte aus ihrer Jackentasche eine Zigarette heraus und steckte sie hinters Ohr.

„Ist die Ware fertig?“ Sie reckte ihr Kinn Richtung Haus und warf die Sporttasche auf den Boden.

„Ja, ja“, der Mann zog an seiner Zigarette, starrte sie an, machte aber keine Bewegung.

„Du kannst reingehen“, sagte er.

Tascha horchte kurz auf, sie wurde nie aufgefordert reinzugehen. Sie füllten die Tasche und brachten sie wieder hinaus, das war die übliche Vorgehensweise.

„Nein“, sie trat gegen die Tasche, „ich warte hier.“

Der Mann machte eine Bewegung und etwas blitzte in seiner Hand. Tascha konnte nicht erkennen was das war, aber der Ausdruck in den Augen des Typen war unmissverständlich.

Sie ging langsam zum Hauseingang, die Tasche ließ sie liegen.

Tascha hatte kein gutes Gefühl, sie sollte und wollte die Leute nicht sehen, die die Ware produzierten.

So fühlte sie sich weniger involviert, wenn sie die Ware den Kunden anbot. Sie war ja schließlich nur die Botin.

Sie schob vorsichtig die Tür auf, im Innenraum konnte sie nichts erkennen, nur die verstummenden Stimmen hören.

„Steh nicht so blöd rum, geh rein.“ Der Mann hinter ihr drückte sie in den Raum und schloss die Tür.

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